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Liebe Kolleginnen und Kollegen, Supporter und Gäste – ich grüße hier aus dem Außenbereich der Remise in Pinneberg.

Das Jahr 2020 ist ein ungewöhnliches Jahr. Den Menschen wird derzeit vieles abverlangt und der Kreis Pinneberg ist nun zum Risikogebiet geworden. Corona ist das Unwort des Jahres und die Viren bestimmen unser Leben. Während noch bis zum Beginn dieses Jahres die Mücke das Symbol für den kleinsten Störenfried war, ist es nun die Schwarmintelligenz der Viren, die unser Leben bestimmen. Sie haben nun die Macht, die Gesellschaft bis in alle Bereiche hinein zu verändern. ABER wir Künstlerinnen und Künstler reagieren darauf in einer kreativen ART und Weise.

Kurzerhand bestimmen wir jetzt den Außenbereich zum Ausstellungsort und gehen vom Geschlossenen- in den „Öffentlichen Raum“. Dabei demonstrieren wir, dass sich die sogenannte „Kunst im öffentlichen Raum“ in den letzten Jahrzehnten enorm gewandelt hat. Vom einzelnen Objekt an einem Gebäude, ist sie nun zu einer Raumkonzeption geworden. Temporäre Interventionen sind derzeit sehr populär und zudem für die öffentlichen Geldgeber sehr praktisch. Gerade dieser temporäre Aspekt verspicht: Irgendwann ist der „Spuk“ vorbei!

Aus dem „Kunst-im-öffentlichen-Raum“- und dem „Plastische Orte“-Konzept des Kulturwerk-SH, entstand nun dieses neue Projekt. Die temporäre, und somit dem Zeitgeist entsprechende Aktion, soll die Begrenzung des öffentlichen Raumes zum Inhalt haben. Dabei markiert der Zaun, der den Außenbereich der Remise in Pinneberg einfriedet, diesen Grenzbereich. Er umspannt ein Areal, auf dem, in dem, künstlerische Aktionen unterschiedlicher Art stattfinden.

Ab- und Ausgrenzung, Umgrenzung, Begrenzung, Eingrenzung, dies sind Begriffe, die aktueller denn je sind. Zäune markieren eine Begrenzung, sie umschließen Areale. Zäune können abwehren, sie können aber auch dazu einladen, sie zu überwinden und Innen und Außen miteinander zu verbinden. Die Umrandung, also die Zaunelemente, die dieses Areal umschließen, werden aktiv in dieses Gestaltungskonzept eingebunden. LKW-Planen können benutzt, bedruckt, bemalt werden, andere Dinge können an den Zäunen befestigt werden und auch in die Fläche, also in den Raum des Außenbereiches der Remise, können die Gestaltungen hineinwachsen. Dies entscheidet die Künstlerin oder der Künstler selbst. Es ist deren Gestaltungshoheit, wie sie ihren Bereich „umspannen“ und inwieweit sie die Grenzen überschreiten.

Diese Veranstaltung des Kulturwerkes S-H, die vom Kreis Pinneberg maßgeblich unterstützt wird, präsentiert vierzehn Künstlerinnen und Künstler mit ihren unterschiedlichen Positionen – dies sind im Einzelnen:

Liebe Freunde, diese „Eröffnung“ wird nun in eine digitale Konserve gepackt, dies bedingt die derzeitige Situation. Dennoch würden sich alle Beteiligten freuen, wenn viele Menschen direkt vor Ort dieses Ausstellungsprojekt bestaunen und dann als Botschaft mitnehmen: Allen Krisen zum Trotz: Die Kunst und die Kultur finden immer ihren Weg!

Herzlichen Dank!

Karl Boyke am 15.11.2020 in Pinneberg

 
plastische orte_UMSPANNEN©Kulturwerk SH e. V.

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UMSPANNEN

Birgit Bornemann

Sie zeigt auf ihrer großflächig bedruckten Zaunabdeckung eine Sammlung bizarrer Detailaufnahmen im Polaroid-Format. Abgebildet sind Orte und Plätze, die in diesem Jahr zunehmend mit Rot-Weißen-Warnbändern abgesperrt wurden. Beeindruckt von diesen Einschränkungen, entwickelte die Künstlerin ihr facettenreiches Projekt „NOOGEN“. Eingefroren wurde die Sicht durch dieses Zaunelement im Oktober. Ein Blick daran vorbei oder darüber hinweg beweist jedoch: Die Wandlung ist unermüdlich.

Karl Boyke

„transportiert“ in seinem Koffer, sowohl die Formale Ästhetik, als auch die Konzeptionelle Kunst. Beide Richtungen der Bildenden Künste sind völlig unterschiedlich und dennoch gehören sie zusammen. Sie bedingen sich sogar, denn die Formale Ästhetik funktioniert nicht ohne Konzept. Und trotz der Unterdrückung dieser ästhetischen Aspekte in der Konzeptionellen Kunst, sie bleiben dennoch vorhanden.

Anne Dinkuhn

hat drehbare Betonscheiben entworfen. Fast wirken sie wie Schilde der Wikinger und sollen versuchen, den „Zaun“ oder das Areal vor An- bzw. Eingriffen zu schützen. Dabei sind sie selbst der Eingriff, die gestaltete Intervention.

Feine Menschen

bedecken den Zaun mit einer LKW-Plane. Die Künstlergruppe ließ diese mit der Aufforderung bedrucken: Man möge bitte den Zaun beachten. Doch dieser Zaun wurde durch diese Plane zum Träger der Kunst – also ist der Zaun kein Zaun mehr.

Gagel

druckt ihre Fotosofie ebenso auf große LKW-Planen, die den Zaun bedecken. Sie zeigt dabei Menschenbilder in bisweilen brenzligen Situationen und schafft es, einen Bogen zu spannen, zwischen „nur so dasitzen“ bis hin zur dramatischen „Körperaktion“.

Karin Hilbers

Alltagsgegenstand war einmal ein Hilfsgerät zum Falten von Wäschestücken. Ordentlich und sauber soll alles sein, so verlangt es allein schon der Aufdruck auf diesem Gerät – ein polygonales „Laissez-faire“ wird nicht mehr möglich. Doch die Künstlerin hat eine neue Bedienungsanleitung beigefügt und protestiert mit ihr gegen das gleichgeströmte Denken in rechten Winkeln.

Brigitta Höppner

erinnert mit ihrer Materialcollage an die großen Zeiten der Entbehrung. In der Nähe von Schafherden verfangen sich immer mal wieder kleine Wollfetzen in den Stacheldrähten. Seinerzeit von Flüchtlingen aufgesammelt, gewaschen und versponnen, wurden diese zu „Wolle-von-den-Zäunen-Kleidung“. Auch die Mutter der Künstlerin sicherte so das Überleben, quasi mit Hilfe eines Zauns.

Florian Huber

flechtet Rot-Weiß-Gemustertes in den Zaun, den er dafür in seiner ganzen Struktur nutzt. Bei der bekannten Warnfarbe des Geflechts handelt es sich tatsächlich um gewobene Absperrbänder. Scheinbar will der Künstler den Betrachter auf Distanz halten, als ob es sich hier um einen „Tatort“ handelt. Die „Warnung“ ist aber imaginär. Das Werk lädt zur Nähe ein, denn die optische Irritation will schließlich untersucht werden.

Thomas Judisch

bildet unsere berühmten Gelben Säcke ab. Sie transportieren den Müll, der auch zum Portrait des individuellen Menschen und dadurch zum Abbild der Gesellschaft geworden ist. Auf der Schattenseite der gewaltigen Müllberge, neuerdings „Wertstoffressourcen“, triumphieren aber unsere modernen Lebensverhältnisse. Jetzt stehen gelbe Container an den Straßen, diese Abbildungen sind damit ein Zeitdokument.

Innocent, 2020, Latexdruck auf PVC (5mm)

Klaus Müller

legt mit seinen Textcollagen den Finger in die aktuellen „Wunden“ der Gesellschaft. Er thematisiert dabei Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung. Gleichzeitig schildert er aber auf der anderen Seite, dass die Kultur beim Überwinden dieser Beschränkungen helfen kann.

MIOQ

visualisiert die „Entschleunigung“. In der heutigen Zeit fast ein Pleonasmus, so sind wir ja beinahe zur Untätigkeit befohlen. Ausgangssperren und Quarantäne zwingen zu neuer Kreativität. Die Künstler sind es aber, die auch mit dieser Schau beweisen: Die Phantasie ist ein wichtiger gesellschaftlicher Motor. Mioqs Schneckenspuren zeigen einen Weg, auch wenn dieser wohl sehr langsam bewältigt wurde.

René Scheer

errichtet eine neue Mauer am Zaun - quasi eine Doppelung der Barriere. Es sind Steine, die aber keine sind. Die Irritation ist es nun, dass diese „Steine“ aus bemalten Getränke-Verpackungen bestehen. Die Mauer ist also eine Illusion. Sie wird dadurch zum Symbol, auch die inneren „Mauern“ zu überwinden.

Oskar Schröder

hat sich gänzlich auf die Umgebung der Remise in Pinneberg eingelassen und sieht sie als Spannungsfeld zwischen Innenstadtnähe und Wald. Die Tiere, die er aus altem Mobiliar geschnitzt hat, sind dafür symbolisch, denn auch sie nutzen beide Refugien. Der Zaun ist für sie kaum ein Hindernis und so verbindet sich Außen mit Innen. Die Objekte werden aber gleichzeitig zu Hinweistafeln, denn es gibt nicht nur einen regen Wildwechsel, sondern hier findet auch ein wilder „Kreativ-Wechsel“ statt!

Edwin Zaft

verweist mit seinem Text auf die aktuelle Situation in einem „Risikogebiet“. Seine Figur nennt er „König“ – ein kleiner König aber, der in falschen Kleidern daherkommt und sich in unsere Wahrnehmung drängt. Möge er bald enttarnt werden und die Dinge wieder ihren „normalen“ Gang nehmen.